Wer mit dem Werk von MARITA DAMKRÖGER vertraut ist, der mag sich seit langem gewünscht haben, die Berliner Künstlerin möge sich nun ›endlich‹ auch dem Aquarell zuwenden. Seit langem schien es, als ob sie mit ihren ›Ausreissbildern‹ oder ihren ›Drippings‹ in Acryl weitmöglichst an diese Technik herankommen wolle, ohne je aber eine kritische – oder ironische? – Distanz aufgeben zu wollen. Eine ungewöhnlich transparente, tiefschichtige Malerei war die Folge, die in ihren letzten Äusserungen, den maschinenähnlichen Formenbildern, auf dynamische und manchmal fast aggressive Art und Weise die Zweidimensionalität des Tableaus überwand.
Die im souveränen Umgang Marita Damkrögers mit Öl- und Acrylfarben fast unsichtbar gewordene, im wahrsten Sinne des Wortes fliessende Grenze zum Aquarell ist nunmehr überschritten. Und sofort wird offensichtlich, dass dieser Schritt letztlich doch ein grosser gewesen sein muss: Einige der jüngst entstandenen Aquarelle zeichnen sich durch eine fast statische Ruhe aus, so als ob die Künstlerin einen meditativen Gegenpol zu ihren letzten Arbeiten in Acryl schaffen wollte, deren geometrische Feldstrukturen mit Lichtgeschwindigkeit zwischen unendlicher Höhe und Tiefe hin- und heroszillieren.
Wie stets bei Marita Damkröger muss aber der erste Eindruck revidiert werden: Die Aquarelle sind kein Schritt in eine gefällige Dekorativität! Wie immer zeichnen sich ihre Arbeiten durch die Spannung zwischen einer an die 1950er – oder gar die 1920er Jahre erinnernden, durchaus voluntaristischen kompositorischen Klarheit und ihrer Korruption in der Realität des (künstlerischen) Handelns: Was früher die Unvorhersehbarkeit auf der Leinwand zerrinnender Farbtropfen oder unter Klebstreifen migrierender Pigmentströme war, kommt jetzt der unkontrollierbaren Fusion der Pigmente im Wasser zu. Auch hier verleiht das Festhalten an der optimistischen Strenge der klassischen Moderne im Verbund mit entschlossener Kritik an ihr der Kunst Marita Damkrögers ihre Aktualität.
Vielleicht mehr noch als ihre bisherigen Arbeiten vermag die neue Technik dieser eigenartigen Spannkraft ihrer Kunst Ausdruck zu verleihen: Die Leuchtkraft der Aquarellfarben, das zwischen zwei Polen aufgespannte intensive Neonblau beispielsweise, aber gerade auch das so irritierende, irisierende Braun euphorisieren den Betrachter und hypnotisieren ihn. Wer die ersten Ergebnisse ihres neuen Werkkomplexes betrachtet, wird gespannt darauf sein, wie es der Künstlerin gelingt, ihrer geplant ungeplanten Sprache der Form neue Farbe zu geben. In ihren letzten Acrylbildern schien sie sich mit fast furioser Wut gegen die Begrenztheit des Raumes zu stemmen. Es wird sich zeigen, ob mit dem Technik- ein Paradigmenwechsel vollzogen wird. Sicher ist aber, dass Marita Damkröger mit der ihr eigenen Konsequenz und Sicherheit die Möglichkeiten des Mediums ausloten wird. Sie hat ein Tor geöffnet.
Klaus-Peter Sick
Serie I Nr. 1, 69 x 104 cm, 2007, Aquarell auf Papier
Serie I Nr. 3, 50 x 92 cm, 2007, Aquarell auf Papier (verkauft)
Serie I Nr. 4, 105 x 140 cm, 2007, Aquarell auf Papier
Serie I Nr. 5, 50 x 60 cm, 2007, Aquarell auf Papier (verkauft)
Serie II Nr. 3, 105 x 180 cm, 2007, Aquarell auf Papier
Serie III Nr. 1, 55 x 90 cm, 2007, Aquarell auf Papier
Serie III Nr. 3, 105 x 180 cm, 2007, Aquarell auf Papier